Episode 2

Theo interviewt unsere Schulleiterin Frau Döring

13. August 2024 20 Minuten

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Shownotes

Theo interviewt Schulleiterin Priska Döring über ihren Werdegang, den Schulpreis in Lima und ihre ersten Eindrücke an der DSJ in Johannesburg.

In dieser Episode führt Theo ein Gespräch mit unserer Schulleiterin Frau Döring. Sie erzählt von ihrer Herkunft aus Baden-Württemberg, ihren Jahren an der Deutschen Schule in Lima, wie sie auf die DSJ aufmerksam wurde — unter anderem durch den Deutschen Schulpreis —, und wie es ist, eine so diverse und lebhafte Schule zu leiten. Dazu gibt es Schnellfragerunde mit Themen wie Pizza oder Burger, Kapstadt oder Johannesburg und mehr.

Kapitelmarken

00:00 — Intro & Begrüßung

00:33 — Vorstellung: Wer ist Frau Döring?

01:03 — Wie kam es ins Ausland?

01:37 — Der Weg nach Johannesburg & der Schulpreis in Lima

03:54 — Erste Eindrücke an der DSJ

04:50 — Ein typischer Tag als Schulleiterin

06:06 — Ausgleich & Hobbys

06:43 — Ihr Mann in Südafrika

07:14 — Bilanz nach einem Jahr an der DSJ

08:45 — Unterschiede: Deutschland vs. DSJ

09:19 — Warum Lehrerin werden?

10:45 — Warum Deutsch und Englisch?

11:27 — Sicherheit in Johannesburg

13:20 — Familie & Freunde in der Ferne

15:06 — Lieblingsorte in Südafrika

15:40 — Hobbys: Früher und heute

16:30 — Lieblingsbücher

17:21 — Schnellfragerunde: Entweder-oder

19:37 — Verabschiedung

Kapitelmarken sind ungefähre Angaben.

Transkript

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Intro & Begrüßung

[00:05] Theo: Nächster Halt — Schulcast! Herzlich willkommen zum Schulcast hier in der Deutschen Schule in Johannesburg. Ich hoffe, es geht euch allen gut. Heute haben wir mal wieder einen sehr speziellen Gast hier beim Schulcast, und zwar unsere — aus meiner Sicht irgendwie immer noch neue — Schulleiterin, obwohl sie jetzt schon über ein Jahr da ist. Und zwar eben die Schulleiterin der DSJ, Frau Döring. Herzlich willkommen!

[00:30] Frau Döring: Danke schön!

Vorstellung: Wer ist Frau Döring?

[00:33] Theo: Für die Leute, die Sie vielleicht noch nicht so gut kennen — stellen Sie sich einfach mal vor: Wer sind Sie, woher kommen Sie?

[00:40] Frau Döring: Ja, okay. Also mein Name ist Priska Döring, ich bin 48 Jahre alt, ich bin verheiratet. Ich komme ursprünglich aus dem Süden von Deutschland, Baden-Württemberg. Dann habe ich meinen Mann in Frankreich kennengelernt während des Studiums und bin dann deswegen nach Nordrhein-Westfalen gezogen, weil er daherkommt. Aber insgesamt sind wir eher ziemlich viel in anderen Ländern rumgereist. Aber das sind so meine Ursprünge.

[01:01] Theo: Also haben Sie in Frankreich studiert?

[01:04] Frau Döring: Nee, wir haben uns da tatsächlich in den Ferien kennengelernt. Ja, haben uns in der Jugendherberge dort einfach zufälligerweise getroffen.

Wie kam es ins Ausland?

[01:10] Theo: Okay. Sie haben schon gesagt, dass Sie viel im Ausland unterwegs waren. Wie kam es denn überhaupt, dass es Sie ins Ausland zog, aus Deutschland?

[01:20] Frau Döring: Ich glaube, ich habe immer so ein bisschen Fernweh in mir gehabt. Ich habe auch immer das Interesse an anderen Ländern und anderen Kulturen gehabt. Und ich komme aus einer sehr reisefreudigen Familie — ist so ein bisschen wie ein kleiner Virus, der von Anfang an eingepflanzt wurde.

Der Weg nach Johannesburg & der Schulpreis in Lima

[01:37] Theo: Und wie kam es auf die Idee, nach Johannesburg zu gehen? Weil auf den Wikipedia-Listen der gefährlichsten Städte der Welt sind die relativ weit oben.

[01:45] Frau Döring: Ich gucke tatsächlich nicht in Wikipedia! Nein, also es war tatsächlich so: Ich war ja in Lima schon in der erweiterten Schulleitung tätig. Und als es dann um den Deutschen Schulpreis ging — für die Auslandsschulen, zum ersten Mal für die deutschen Auslandsschulen — waren wir direkte Konkurrenzschule. Also die DSJ wurde Erste und wir haben den zweiten Platz belegt. Das heißt, mir war die Schule ein Begriff. Es ist nicht so, dass ich danach gesucht hätte, aber ich hatte natürlich dann schon mal davon gehört.

Und der zweite Punkt war: Wir waren auch einfach mal auf Urlaub in Südafrika und waren beide — also mein Mann und ich — der Meinung, wir könnten dort auch leben, was natürlich wichtig ist als Voraussetzung. Und da kam eben beides zusammen. Als ich dann in Deutschland war und geguckt habe, wo Stellen frei sind und was mich vielleicht interessieren würde, habe ich dann zufälligerweise die Ausschreibung gesehen.

Und das war so ein bisschen: Okay, kenne ich so ein bisschen, ist in dem Land, wo ich mir vorstellen könnte zu leben. Und dann wurde ich neugierig und bin dann so ein bisschen auf der Homepage hängen geblieben.

[02:53] Theo: Und wann war das mit dem Schulpreis? Oder die ersten Gedanken Richtung Johannesburg?

[02:58] Frau Döring: Also das eine hat mit dem anderen nicht zu tun. Der Schulpreis, der war ja schon — wenn ich mich jetzt richtig erinnere — 2016, glaube ich. Da war ich aber noch in Lima. Das heißt, da habe ich das damals mitbekommen. Aber später dann, als ich von Lima wieder zurück war — die dreieinhalb Jahre, bevor ich dann nach Johannesburg ging — war es schon so, dass mein Mann und ich uns relativ schnell einig waren, dass wir wieder ins Ausland gehen wollen. Und dann habe ich immer wieder geschaut, was frei wäre und was mich auch wirklich tatsächlich interessieren würde.

[03:33] Theo: Waren auch die anderen Schulen mal im Gespräch? Also Kapstadt oder Pretoria? Oder nur Johannesburg?

[03:36] Frau Döring: Nein. Und ich muss auch gestehen: Ich habe mich tatsächlich nur auf diese Schule beworben. Also das ist — so scheint es — wurde mir zumindest in der ZfA gesagt, auch nicht so üblich zu sein. Die meisten bewerben sich auf mehrere Schulen. Aber bei mir war so, dass ich den Eindruck hatte, dass die Schule irgendwie zu mir passt. Und wenn nicht zu der Schule, dann wollte ich wirklich hierher.

Erste Eindrücke an der DSJ

[03:54] Theo: Schön, gut für unsere Schule! Aber wie war denn dann für Sie so die Anfangszeit? Also die ersten Eindrücke von Südafrika, und wie war die Zeit zwischen der Landung und dann dem ersten Schultag für Sie?

[04:05] Frau Döring: Aufregend! Ja, also für mich war jetzt Südafrika gar nicht so unbedingt das Neue — die Stadt schon eher. Weil ich muss gestehen: Als wir damals im Urlaub hier waren, habe ich die Stadt eher gemieden, aufgrund des Rufs, den die Stadt hat. Aber am Anfang sind es einfach unglaublich viele Eindrücke. Also zum einen muss man sich natürlich privat irgendwie zurechtfinden, und zum anderen ist die Schule natürlich unheimlich komplex. Und das ist schon so — also ich würde heute noch sagen, dass kein Tag ist wie der andere. Und deswegen war das am Anfang natürlich einfach unglaublich viel, aber auch unglaublich faszinierend.

Ein typischer Tag als Schulleiterin

[04:50] Theo: Das kann ich verstehen. Auch wenn Sie gerade gesagt haben, dass die Tage immer unterschiedlich sind: Was ist so ein typischer Tag — wenn alles ganz normal läuft — bei Ihnen? So schulintern — niemand weiß genau, was Schulleiter machen letztendlich am Tag.

[05:00] Frau Döring: Ja, kann ich gerne mal erklären, wobei ich sagen würde: Den typischen Tag, den gibt’s tatsächlich überhaupt nicht. Also habe ich hier noch nie erlebt. Ich habe manchmal schon zu meinem Mann gesagt: „Mal gucken, ob es irgendwann mal einen ruhigen Tag gibt.“ Den gibt’s auch nicht.

Aber natürlich gibt es unterschiedliche Dinge: Es gibt einige Meetings, an denen man teilnimmt. Es gibt immer wieder Kontakt zu unterschiedlichen Institutionen, sei es in Deutschland oder in Südafrika. Es gibt immer wieder entsprechende Fälle, wo ich einbezogen werde, die wir lösen müssen oder wo wir auch mal schlichten müssen. Es gibt — woher ich gerade komme, z.B. — Unterrichtsbesuche, Unterrichtsbeobachtung und so weiter. Also unheimlich komplexes Feld. Auch neue Lehrkräfte anwerben, oder zur Botschaft fahren und mit denen interagieren — also alles Mögliche.

Und hin und wieder passiert es — wie gestern Abend — dass ich auf meinem Sofa sitze und eigentlich denke, ich habe jetzt Feierabend, und dann whatsappt mich jemand an und erklärt mir, dass wir gerade einen Notfall haben.

Ausgleich & Hobbys

[06:06] Theo: Ist ja nicht so schön. Aber Sie haben mir gerade schon gesagt, dass es oft keinen typischen Tag gibt. Deswegen ist es bestimmt auch sehr stressig, so Schulleiterin zu sein. Was machen Sie denn so als Ausgleich zur Schule? Haben Sie Hobbys in Südafrika?

[06:16] Frau Döring: Ja, also ich muss hin und wieder weg — einfach Tapetenwechsel. Das heißt dann nicht, dass ich dort nicht arbeite, sondern ich kann auch irgendwo anders sitzen und einfach mal sagen: Ich schreibe da eine Rede oder ich arbeite Dinge ab. Aber für mich ist es unheimlich wichtig, sagen zu können: Okay, ich kriege auch mal den Kopf frei, ich sehe was anderes. Und das mache ich als Ausgleich sehr gerne, dass ich dann einfach mal rausfahre und sage: Ich habe mir jetzt ein paar Tiere angeschaut, jetzt geht’s mir wieder besser.

Ihr Mann in Südafrika

[06:43] Theo: Cool! Aber Sie sind ja nicht allein hier — Ihr Mann ist ja auch da. Wie gefällt es ihm denn in Südafrika? Oder war es sein Wunsch, dass Sie nach Südafrika gehen?

[06:51] Frau Döring: Nee, das war tatsächlich unser beider Wunsch. Also ich hätte die Entscheidung nicht alleine getroffen. Und meinem Mann gefällt es ehrlich gesagt super — der ist total happy hier, hat sich so langsam eingefunden. Und ich habe immer den Eindruck, er baut sich sogar eher einen Bekanntenkreis auf als ich, weil ich bin immer irgendwie mit der Schule zugange, und er hat dann mehr Zeit, sich damit zu beschäftigen.

Bilanz nach einem Jahr an der DSJ

[07:14] Theo: Ja, jetzt sind Sie wirklich ja ziemlich genau ein Jahr an der DSJ. Was ist denn jetzt Ihre Bilanz nach einem Jahr?

[07:20] Frau Döring: Dass es eine unheimlich diverse Schule ist. Dass es eine unheimlich lebhafte Schule ist. Dass ich schön finde, dass so viel Identifikation mit der Schule tatsächlich da ist. Aber natürlich auch — dadurch, dass sie eine Begegnungsschule ist — auch teilweise eine sehr herausfordernde Schule. Also im Sinne von: Es trifft alles aufeinander an unterschiedlichen Vorstellungen, Kulturen und so weiter. Also ich sage dir ein Beispiel: z.B. was Disziplin angeht, haben wir teilweise sehr unterschiedliche Vorstellungen und auch unterschiedliche Wahrnehmung. Und das kann natürlich wirklich herausfordernd sein.

[08:02] Theo: Ja, und gab’s irgendwelche Überraschungen, die Sie überhaupt nicht erwartet haben von der Schule?

[08:11] Frau Döring: Ich habe nicht erwartet, dass es mir im Lehrerkollegium so leichtfallen würde, mich irgendwie aufgenommen zu fühlen. Also einfach da reinzugehen in dieses Lehrerzimmer und auf dem Sofa zu sitzen und auch mal ganz normal privat mit jemandem zu sprechen und so weiter. Also die Stimmung auch im Lehrerzimmer ist wirklich gut. Das heißt, ich habe eher positiv überrascht festgestellt, dass ich nicht den Eindruck habe, dass ich als Schulleiterin so außen bin, sondern dass ich auch Teil des Ganzen bin. Und das ist eine schöne Sache.

Unterschiede: Deutschland vs. DSJ

[08:45] Theo: Ja, ist natürlich schön! Und was würden Sie so sagen, ist der größte Unterschied von Ihrer alten Schule zur DSJ jetzt? Also alte Schule — die, die Sie in Deutschland hatten?

[09:01] Frau Döring: Okay, ich nehme mal die in Deutschland, weil der Unterschied größer ist. Die Identifikation und der Einsatz für die Schule — das ist hier deutlich höher. In Deutschland hatte ich eher den Eindruck — obwohl ich an einer Schule war, die einen guten Ruf hatte — hatte ich eher den Eindruck: Man geht zur Schule, ja, und dann geht man eben nach Hause, und das war’s. Aber nicht diese Schule auch als Ort, wo man sich trifft, wo man etwas miteinander unternimmt — das ist hier völlig anders. Natürlich auch ein bisschen am Land gelegen, wo man einfach nicht so einfach sich treffen kann, die Eltern müssen einen fahren und so. Aber trotzdem stimmt das schon.

Warum Lehrerin werden?

[09:39] Theo: Jetzt mal von der Schule weg — also hat immer noch was mit der Schule zu tun: Wie kamen Sie denn überhaupt dazu, Lehrerin zu werden? Also Lehramt zu studieren?

[09:48] Frau Döring: Ich habe das also relativ früh schon gewusst. Interessanterweise gibt’s von mir in der Schülerzeitung von der vierten Klasse die Frage zum Thema: „Im Jahr 2000 bin ich groß — was ich mal werden will.“ Da steht sogar „Gymnasiallehrkraft“ drin! Ich weiß nicht, warum ich das damals schon wusste, es ist aber wirklich tatsächlich so.

Ich denke, es liegt einfach daran, dass ich gerne mit Menschen zu tun habe, auch gerne mit Menschen, die heranwachsen. Und das auch schön finde, einfach zu sehen, wie sich Dinge entwickeln. Und dann muss ich auch einfach sagen: Der Lehrerberuf bietet ja auch unglaubliche Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Also da, wo ich jetzt stehe — das hätte ich mir damals noch nicht vorstellen können. Aber das finde ich unheimlich attraktiv daran.

Warum Deutsch und Englisch?

[10:45] Theo: Stimmt natürlich! Aber wie kamen Sie auf die Fächer Deutsch und Englisch? Haben die Ihnen in der Schule so gut gefallen?

[10:52] Frau Döring: Nein, ich habe mich da auch entwickelt. Also ich hatte in der Schule nicht immer nur Gefallen an der Schule und an den Fächern — insofern war das eher in der Oberstufe bei mir, dass sich das stärker entwickelt hat.

[11:05] Theo: Das wussten Sie in der vierten Klasse noch nicht, dass es Deutsch und Englisch wird?

[11:08] Frau Döring: Nee, nee, nee! Da war ich noch nicht so weit. Aber zum einen: Englisch hat sich auch daraus ergeben, dass ich z.B. in Neuseeland einen Aufenthalt hatte und das sehr spannend fand. Aber ich war schon immer sehr sprachaffin. Ich habe ja auch z.B. dann in meinen 30ern noch Spanisch gelernt — also ich fand Sprachen immer toll. Und ja, hab dann einfach das gewählt, was ich am interessantesten fand.

Sicherheit in Johannesburg

[11:27] Theo: Ist natürlich verständlich. Ich meine, wie wir vorhin schon gesagt haben, dass Johannesburg vor allem nicht so einen guten Ruf hat. Was würden Sie denn jetzt zu denen sagen, die sagen, dass man eigentlich nicht nach Südafrika gehen kann wegen der Sicherheit? Würden Sie jetzt nach einem Jahr sagen: Das geht doch einfach?

[11:43] Frau Döring: Es kommt auf die Menschen an. Ich würde nicht unbedingt sagen „einfach“, aber ich würde sagen: Zu behaupten, man kann da nicht hin, wird ja schon widerlegt durch die Millionen, die hier sind und die natürlich ja auch leben. Ich glaube, man ist gut daran beraten, sich zu erkundigen, was man machen kann und was man nicht machen kann.

Allerdings muss ich auch sagen, dass ich finde, es wird teilweise in eine Richtung übertrieben. Ja, man kann hier super leben, wir fühlen uns super wohl. Aber man muss einfach wissen, wie man sich wo benimmt. Und ich glaube, das ist die Voraussetzung, und dann kann man hier ein super Leben führen. Es kommt halt wirklich auf die Gegenden auch an innerhalb von Johannesburg.

Und ganz ehrlich: Ich habe in Lima auch hinter Elektrozäunen gelebt und habe da acht schöne Jahre verbracht. Also insofern bin ich da nicht so leicht einzuschüchtern. Und ich denke trotzdem, dass es dem Ruf der Stadt nicht gerecht wird — oder dass es der Stadt selber nicht gerecht wird, so einen Ruf zu haben, weil die Stadt hat ganz tolle Seiten.

Familie & Freunde in der Ferne

[13:20] Theo: Wie ist es denn so für Sie, dass Freunde und Familie so weit weg sind? Wie oft gehen Sie nach Deutschland?

[13:31] Frau Döring: Ich skype jeden Sonntag mit meiner Familie. Also das ist schon so. Nein, das ist nicht einfach. Und auf der anderen Seite denke ich auch wieder: Es macht einen flexibler. Ich habe auch festgestellt, dass egal, wo auf der Welt ich bin, ich auch wieder nette Menschen treffe und Freunde finden kann — und nicht nur die habe, die in Deutschland sind.

Ich würde auch sagen: Eine Freundschaft, die sowas nicht überlebt, war keine wirkliche Freundschaft. Und die, die mich mögen, die kommen mich auch mal hier besuchen, oder ich komme sie dort besuchen. Oder eben wie gesagt: Man unterhält sich ja heutzutage auch entsprechend durch digitale Medien, das geht dann schon.

Aber es ist natürlich nie nur einfach. Und ich meine, klar — ich hatte jetzt im ersten Jahr hier schon einen Todesfall in meiner Familie. Das ist nie schön, das ist nie einfach, und das ist durch die Distanz natürlich schwieriger. Aber trotzdem: Ich denke, man gewinnt eben anderes dafür.

[14:26] Theo: Wie oft waren Sie jetzt in Deutschland, seitdem Sie hier sind?

[14:29] Frau Döring: Einmal im Februar, aber das war arbeitstechnisch. Und dann eben aufgrund des Trauerfalls einmal ganz kurz. Und jetzt in den Sommerferien — also den dortigen Sommerferien, hiesigen Winterferien — war ich einmal. Also ich gehe jetzt tatsächlich nicht die ganze Zeit dorthin, aber auch weil es uns wichtig ist, auch hier anzukommen. Weil wenn du die ganze Zeit nur nach Deutschland gehst in jeder Ferien, dann kommst du auch nicht hier an. Und es ist für uns sehr wichtig, auch im Land wirklich anzukommen und zu sagen: Das ist jetzt unser Zuhause.

Lieblingsorte in Südafrika

[15:06] Theo: Genau. Apropos Südafrika — haben Sie denn schon Lieblingsorte? In Johannesburg, Restaurants oder insgesamt in Südafrika, was zum Urlaub — was Ihnen besonders gut gefallen hat?

[15:18] Frau Döring: Coffee Bay fand ich super. Isimangaliso und Hluhluwe-iMfolozi-Park, das fand ich wirklich toll. Und die Drakensberge finde ich auch immer wieder faszinierend. Und ansonsten: Alles, wo ich hier Tiere sehen kann. Also gibt es sehr viel, wo ich mich wohlfühle und was ich faszinierend finde.

Hobbys: Früher und heute

[15:40] Theo: Interessant. Vorhin haben wir schon ein bisschen angesprochen — aber was haben Sie denn jetzt für Hobbys? Oder auch als Kind, was haben Sie da so am meisten gemacht?

[15:48] Frau Döring: Unterschiedlich. Als Kind habe ich Fußball gespielt mit den Jungs von meinem Dorf — ja, das mache ich nicht mehr. Ich lese unheimlich gerne, ich reise gerne. Ich habe in Deutschland eine kleine Schmuckwerkstatt, wo ich immer wieder Schmuck mache — das habe ich jetzt z.B. auch gemacht, als ich im Juni dort war. Das mache ich dann sehr gerne. Ich bin sehr gerne kreativ. Ich koche und backe furchtbar gerne, weil ich manchmal was mit meinen Händen tun muss.

[16:14] Theo: Ist das mit der Schmuckwerkstatt nur für Familie, oder könnten auch andere hingehen?

[16:17] Frau Döring: Das habe ich auch schon gemacht, aber eher im Freundeskreis.

Lieblingsbücher

[16:22] Theo: Und haben Sie auch einen Lieblingsverein? Haben Sie Fußball im Verein gespielt?

[16:24] Frau Döring: Nein, das war tatsächlich nur in unserem Dorf.

[16:29] Theo: Mein Gott! Was ist denn Ihr Lieblingsbuch? Sie haben ja gerade schon angesprochen, dass Sie gerne lesen.

[16:32] Frau Döring: Ja, ich lese tatsächlich sehr gerne, aber ich würde jetzt nicht sagen, dass ich ein Lieblingsbuch habe, sondern dass es sehr, sehr viele gibt. Also im Moment lese ich z.B. ein Buch über eine Expedition zur Quelle des Nils — also wo die damals herauszufinden versuchten, wo der Nil entspringt. Das finde ich jetzt gerade total spannend, weil eine Freundin von mir in Ägypten wohnt und mich eingeladen hat und ich gedacht habe: Ich bereite mich mal vor.

So bin ich da drauf gestoßen. Aber ich bin sonst sehr offen gegenüber allem — was sage ich mal — Historisches finde ich sehr spannend, oder Biografien finde ich auch sehr spannend. Aber ich könnte mich da jetzt nicht auf ein Buch festlegen.

[17:16] Theo: Aber so historische Romane oder Sachbücher?

[17:18] Frau Döring: Beides!

Schnellfragerunde: Entweder-oder

[17:21] Theo: Okay. Jetzt zum Ende hin — damit unsere Zuhörer Sie noch ein bisschen besser kennenlernen: Ich sage Ihnen jetzt ein paar Gegensätze, und dann sagen Sie, was Sie bevorzugen — und dann sagen Sie noch kurz und knapp in einem Satz wieso und warum. Und wir fangen mal an mit: Schuluniform oder anziehen, was man will?

[17:46] Frau Döring: Also inzwischen — Schuluniform! Tatsächlich ist das aus Überzeugung. Ja, ich hätte es nicht gedacht, aber ich bin tatsächlich inzwischen dafür.

[17:55] Theo: Rugby oder Fußball?

[17:58] Frau Döring: Fußball, ganz klar!

[18:01] Theo: Okay. Weiße Weihnacht oder südafrikanische Weihnacht?

[18:05] Frau Döring: Ich kenne südafrikanische Weihnacht noch nicht wirklich, muss ich gestehen. Insofern — aber eigentlich keins von beidem richtig. Weil ich war zu sehr in warmen Ländern, als dass ich weiße Weihnacht groß kennengelernt hätte. Also eher — Weihnacht am Strand!

[18:22] Theo: Cool! Kapstadt oder Johannesburg?

[18:25] Frau Döring: Johannesburg!

[18:28] Theo: Nächste Frage: Hotel oder Camping?

[18:30] Frau Döring: Je nach Laune — beides! Also nee, es ist tatsächlich so: Ich finde es mal total spannend zu campen, aber dann möchte ich auch wieder ein schönes Restaurant, eine ordentliche Dusche — schon auch anstrengend manchmal, zu lange zu campen.

[18:42] Theo: Kaninchen oder Hund?

[18:46] Frau Döring: Kaninchen! Dafür bin ich aber wohl bekannt — ja, habe Kaninchen zu Hause.

[18:52] Theo: Fleisch oder Gemüse?

[18:52] Frau Döring: Beides! Am besten in Kombination.

[18:54] Theo: Sehr gut! Biltong oder Brezel?

[18:59] Frau Döring: Biltong! Echt, ja — finde ich super!

[19:01] Theo: Sie kommen natürlich auch nicht aus Bayern, da ist die Brezel natürlich noch beliebter. Meer oder Berge?

[19:08] Frau Döring: Meer.

[19:08] Theo: Taylor Swift oder Adele?

[19:09] Frau Döring: Adele!

[19:11] Theo: Okay. Morgenmuffel oder Frühaufsteher?

[19:16] Frau Döring: Gezwungenermaßen Frühaufsteher! Aber wenn ich ausschlafen kann, dann nutze ich das.

[19:21] Theo: Einsame Insel oder Großstadt?

[19:24] Frau Döring: Großstadt — mit der Option, auch mal irgendwo hinzugehen, wo es einsam ist. Einsam ist irgendwann auch langweilig. Ja, genau — irgendwann wüsste ich dann auch nicht mehr, was ich machen soll.

Verabschiedung

[19:37] Theo: Ja, gut! Das waren jetzt alle Gegensätze. Also ich hoffe, dass ihr jetzt Frau Döring besser kennengelernt habt, unsere Schulleiterin eben. Vielen Dank, dass Sie auch da waren, dass Sie Zeit für uns hatten. Ihnen noch einen schönen Tag!

[19:49] Frau Döring: Euch noch einen schönen Tag! Ich hoffe, euch hat es gefallen, und bis zum nächsten Mal. Tschüss!

[19:56] Theo: Hat Spaß gemacht! Danke, super!

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