Interview mit Herrn Teutenberger
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Shownotes
Herr Teutenberger, neuer Lehrer an der DSJ, im ausführlichen Gespräch über seinen Weg von Warstein über Mexiko und Hamburg nach Johannesburg — inklusive Marathonlaufen und TV-Kochshows.
In dieser Episode lernen wir Hendrik Teutenberger kennen, einen der neuen Lehrer an der DSJ. Er erzählt von seiner Herkunft aus dem kleinen Warstein im Sauerland, seinen Erfahrungen als Lehrer in Mexiko — inklusive einer dramatischen Schießerei —, seiner Zeit in Hamburg und wie er schließlich an die DSJ in Johannesburg kam. Außerdem sprechen wir über seine Leidenschaft für Marathonlaufen, seine Auftritte in deutschen TV-Kochshows und seinen Unterrichtsstil.
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Transkript
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Begrüßung & Vorstellung
[00:01] Schüler: Herzlich willkommen zum Podcast der Deutschen Internationalen Schule Johannesburg. Am heutigen Tag interviewen wir einen der neuen Lehrer, Herr Teutenberger. Ja, möchten Sie sich erst mal vorstellen?
[00:13] Herr Teutenberger: Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, hier zu sein. Ihr habt mir gerade schon erzählt, dass ich überhaupt die zweite Lehrkraft bin, die interviewt wird. Von daher fühle ich mich auch sehr geehrt und bin wirklich sehr gespannt, was jetzt kommt, und freue mich super.
Herkunft: Warstein im Sauerland
[00:33] Schüler: Also, möchten wir erstmal anfangen mit: Woher kommen Sie?
[00:38] Herr Teutenberger: Also ursprünglich komme ich aus Warstein im Sauerland. Ich weiß jetzt nicht, wie gut einige, die den Podcast hier hören, Deutschland kennen. Es gehört zu NRW, liegt dort im Osten von NRW, und die nächstgrößere Stadt, die man vielleicht kennt, ist Dortmund — aber das ist auch immer noch so eine Stunde weg. Und ja, Warstein an sich ist ein 9.000-Seelen-Städtchen, Dörfchen. Da gibt’s relativ wenig, außer Seffelwald und Brauerei, die halt eben das Bier Warsteiner produziert. Deshalb kennen in Deutschland viele das Bier, wissen aber häufig gar nicht, dass es eine Stadt ist. Und ist jetzt auch kein tolles Bier.
Der Weg zur DSJ Johannesburg
[01:28] Schüler: Ja, ich glaube, was jeden interessieren würde, ist, wie Sie eigentlich zur DSJ gekommen sind.
[01:35] Herr Teutenberger: Okay, ich neige dazu, auszuholen und abzuschweifen, deshalb — ich war nach meinem Referendariat schon mal zwei Jahre in Mexiko an einer deutschen Schule, und generell mag ich es total gerne, andere Länder und andere Kulturen kennenzulernen. Und ja, ich war die letzten sechs Jahre in Hamburg, aber für mich war immer klar: Ich will auf jeden Fall wieder an eine deutsche Auslandsschule.
Und warum es letztendlich Johannesburg geworden ist, hat mit Zufall und Glück zu tun. Also jetzt inzwischen kann ich sagen: Glück. Aber es war einfach so, dass wenn man sich bewirbt als Lehrer in Deutschland, hat man nur teilweise einen Einfluss darauf, wo es hingeht. Bei mir war es einfach so: Man wird dann freigestellt, und dann sehen einfach die deutschen Auslandsschulen „Hey, da ist eine Lehrkraft mit den und den Fächern“, und dann hat man hoffentlich das Glück, dass eine deutsche Auslandsschule sagt „Hey, die Fächer brauchen wir“ und fragt dann an, ob man sich vorstellen könnte, dort zu arbeiten.
Und ich bin ganz ehrlich: Johannesburg war jetzt nicht unbedingt so in den Top Ten meiner Schulen, wo ich dachte, da möchte ich mal gerne hin. Weil die meisten — also Südafrika an sich, ich war schon mal hier, ich finde es ein super schönes Land — aber natürlich denken die meisten erstmal: Kapstadt! Klar, ich will nach Kapstadt.
Und ja, ich hatte dann letztendlich drei Angebote. Einmal war Sofia da, da war ich sogar, aber das konnte ich mir einfach nicht so ganz vorstellen. Die Schule war auch sehr schön, war echt richtig gut, aber so das Leben in Sofia in Bulgarien — da dachte ich: Ist es das, was du willst? Da hatte ich noch ein Angebot aus Istanbul, das habe ich letztendlich auch abgelehnt aus unterschiedlichen Gründen.
Und dann war ich ehrlich gesagt schon so, dass ich dachte: Kommt da überhaupt noch was? Und dann hatte ich kurz nach Weihnachten die Anfrage von Frau Döring, ob ich denn inzwischen was gefunden hätte. Und dann ging echt alles ganz schnell, das hat dann zwei Wochen gedauert, und auf einmal war klar: Jetzt geht’s nach Johannesburg.
Und ich dachte: Okay, das wird ein ganz schönes Abenteuer! Weil die meisten Menschen einfach sagen: Johannesburg? Ja, sicher, ist doch super gefährlich! Dann habe ich immer gesagt: Ja, danke, dass du es mir sagst, aber ich war in Mexiko — also so anders wird es auch nicht sein zum Thema Gefährlichkeit.
Aber für mich war klar: Ich möchte an eine Schule, wo ich unterrichten kann, wo ich eine andere Art von Schülerinnen und Schülern habe als das, was ich in Hamburg hatte, und es soll auch so ein bisschen Abenteuer sein. Und Südafrika, Johannesburg — ich dachte einfach: Mach es auf jeden Fall! Und ohne jetzt zu spoilern: Bisher muss ich sagen, ist alles so viel besser, als ich selbst erwartet habe.
Unterrichten in Mexiko
[05:14] Schüler: Du hast ja auch gesagt, dass du in Mexiko unterrichtet hast. Also könntest du auch ein bisschen davon erzählen?
[05:20] Herr Teutenberger: Ja, genau. In Deutschland ist es ja so: Nach dem Studium macht man noch zwei Jahre Referendariat. Und ich muss sagen, das Referendariat war für mich eine ziemlich schreckliche Zeit. Und danach war für mich erstmal klar: Irgendwie muss was anderes her.
Und ich war auch ehrlich gesagt ein wenig genervt von Deutschland. Vieles in Deutschland ist super schön, da müssen wir uns nicht drüber streiten — der Lebensstandard etc. — aber so die Menschen in Deutschland sind manchmal ein bisschen... das Lachen fällt ihnen sehr schwer. Und das habe ich auch in Mexiko bemerkt — da gab es immer zwei Begriffe für Deutsche: Das war einmal die „frios alemanes“ — die kalten Deutschen — und „alemanes cuadrados“, also sprich: Alles hat irgendwelche Regeln und irgendwelche Vorschriften.
Und ich hab dann einfach so quer über den Globus überall beworben, weil ich einfach überhaupt keine Ahnung hatte, wo man mich möchte. Da hatte ich dann wirklich sehr viele interessante Angebote — aus Caracas, also wirklich aus Orten, wo ich dachte: Das geht gerade wirklich nicht, da ist die Situation wirklich sehr heikel.
Und dann gab es aber dieses Angebot eben aus Guadalajara. Kennen die wenigsten, ist aber die zweitgrößte Stadt in Mexiko. Und ja, dann bin ich dahingegangen. Und die Zeit war für mich erstmal schön. Das Leben in Mexiko — klar, gefährlich an vielen Stellen, aber das sollte einen nicht davon abhalten. Man muss einfach ein bisschen vorsichtig sein. Aber an sich ist Mexiko ein super schönes Land, hat eine fantastische Kultur, auch super freundliche Menschen.
Die Schule an sich — war ein bisschen schwierig, bin ich ganz ehrlich. Es war doch ein deutlicher Unterschied zur deutschen Schule hier. Ich habe kein Spanisch gesprochen, als ich dort hingegangen bin. Aber obwohl es das Colegio Alemán war, also die deutsche Schule, war vieles einfach nicht auf Deutsch oder Englisch, sondern Konferenzen waren teilweise auf Spanisch, E-Mails kamen auf Spanisch. Das heißt, es war relativ schwer für mich, dort erstmal reinzufinden.
Ich bereue es in keinster Weise, da gewesen zu sein, aber für mich waren die zwei Jahre auch so, dass ich dachte: Es reicht auch. Aber es war eine super gute Erfahrung, und für mich war das auch so, dass ich sagte: Boah, das bringt dir so viel — du musst wieder ins Ausland, und länger.
Abenteuer in Mexiko: Überfälle & Schießerei
[08:50] Schüler: Erinnerst du dich an irgendwelche interessanten Geschichten, als du im Ausland unterrichtet hast?
[09:04] Herr Teutenberger: Bitte nicht nachmachen, kann ich da nur sagen! Also in Mexiko habe ich auch glaube ich so alles mitgenommen, was man mitnehmen kann an schlimmen Dingen, die einem passieren können. Angefangen von: Ich wurde am Flughafen abgeholt, auf der Autobahn haben wir uns dann direkt überschlagen. Da war ich glaube ich eine halbe Stunde in Mexiko. Ist nichts passiert, aber das Auto war kaputt. Ich wurde zweimal überfallen. Und einmal ein bisschen angeschossen.
Also, wir belassen es mal dabei — ich packe jetzt nicht die ganze Geschichte aus. Aber es war eine sehr absurde Situation. Ich hatte viel Glück im Nachhinein, aber da kam echt viel Pech zusammen. Alles ist gut gegangen, ich war auch wirklich — also wie gesagt, ein bisschen angeschossen — am nächsten Tag war ich direkt in der Schule. Das war direkt so nach drei Monaten.
Ich habe dann in der Woche direkt ganz viele Briefe gekriegt von Eltern: „Herr Teutenberger, es tut uns so leid, was Ihnen passiert ist. Wir wünschen Ihnen für die Zeit in Deutschland wieder alles Gute.“ Und ich so: Wieso? Ich gehe doch gar nicht! Also, das kann mir auch in Frankfurt passieren, dass ich da nachts einfach an den Falschen gerate und der mit einem Messer irgendwie auf mich losgeht. Das war für mich nie ein Grund, dann zu sagen: Hier sind nur böse Menschen. Danach war ich einfach noch vorsichtiger und wusste, wo ich nicht mehr hingehe.
Fächer: Biologie, Politik & Erdkunde
[10:36] Schüler: Eben haben Sie gesagt, dass Sie Bio unterrichten, aber welche anderen Fächer unterrichten Sie auch noch?
[10:48] Herr Teutenberger: Ja, hier unterrichte ich noch Erdkunde. Ich bin aber eigentlich gar kein Erdkunde-Lehrer. Ich hatte zwar den sogenannten Leistungskurs, das gibt es in Deutschland — diese Leistungskurse, das heißt, die hat man auf mehr Stunden, statt nur irgendwie zwei Stunden hat man die halt fünf Stunden die Woche. Also ich habe da auch mein Abitur drin gemacht, habe auch lange überlegt, Erdkunde zu studieren. Ich mag das Fach.
Und mein eigentliches Fach ist aber Politik und Wirtschaft, oder Sozialwissenschaften — je nachdem, in welchem Bundesland man ist. Es gibt auch viele Überschneidungen, deshalb fühle ich mich auch mit Erdkunde sehr wohl, das zu unterrichten. Und zuletzt in Hamburg, wo ich eben unterrichtet habe, gibt’s das Fach Erdkunde auch nur in der Oberstufe, und in der fünften bis einschließlich zehnten heißt es eben „Lernbereich Gesellschaft“ — und das ist dann so eine Kombi aus Erdkunde, Politik und Geschichte. Und ja, deshalb bin ich in Anführungszeichen so eine „Wunderwaffe“, dass ich das alles so ein bisschen kann. Aber ja, Politik kann ich jetzt nicht so unterrichten, wie ich eigentlich gemacht habe. Mal gucken — es gibt ja Gemeinschaftskunde, und ich würde mich freuen, wenn ich irgendwann das noch mal unterrichten kann.
Warum Lehrer werden?
[12:07] Schüler: Jetzt ein bisschen tiefere Frage: Warum haben Sie sich denn endgültig entschieden, Lehrer zu werden?
[12:16] Herr Teutenberger: Ja, wie das so ist — wusste ich damals nicht so ganz genau, was ich studieren möchte. Habe dann wirklich unglaublich viele Bewerbungen rausgeschickt. Ich habe mich beworben für Medizin — hat nicht geklappt, war auch klar, so gut war mein Abi dann doch nicht. Ich hatte mich für Psychologie beworben — selbes Problem, kam ich auch nirgendwo rein.
Und dann hat mir damals meine Erdkunde-Lehrerin gesagt: „Hendrik, also Lehramt — boah, muss echt gucken, ne, brauchen wir gerade keine Lehrer.“ Rückblickend totaler Mumpitz — also jetzt brauchen wir Lehrer ohne Ende. Aber das war damals halt so die Meinung.
Für mich war klar: Mach halt irgendwie Biologie und ein zweites Fach, das vielleicht ein bisschen bessere Chancen hat. Dann dachte ich: Wo habe ich vielleicht Überschneidung zu dem, was mich in Erdkunde interessiert? Dann war es vor allem irgendwie Politik. Und jetzt würde ich mir fast wünschen, noch mal Politik studieren zu können, weil ich bin inzwischen sehr politisch interessiert.
Und irgendwann war für mich klar: Das, was du machst, fühlt irgendwie richtig an. Es macht Spaß. Und gerade wenn man dann unterrichtet — mir macht total Spaß, mit jungen Leuten über Themen zu diskutieren, mein Wissen weiterzugeben. Und klar, kann man auch sagen: Finanziell ist es sicherlich ein sehr attraktiver Beruf. Aber das war für mich nicht der Grund. Für mich war es einfach ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Ich würde z.B. wirklich die Krise kriegen, wenn ich irgendwie acht Stunden am Computer sitzen müsste und da irgendwelche Tabellen ausfüllen.
Hobbys: Laufen, Kochen, Reisen
[15:11] Schüler: Du hast gesagt, dass du auch viele verschiedene Interessen besitzt. Willst du ein bisschen mehr davon erzählen?
[15:17] Herr Teutenberger: Also, was man so schön als Hobbys bezeichnet: Ich laufe sehr viel, Langstreckenlauf. Bin auch schon ein paar Marathons gelaufen. Und ja, bin auch sehr glücklich, habe auch hier eine Laufgruppe direkt gefunden. Ja, einige hab ich morgens auch schon vor der Schule laufen sehen — also laufe sehr, sehr viel und sehr gerne.
Ich koche sehr gerne — das wisst ihr auch inzwischen. Wobei ich hier das bisher weniger mache, weil sich teilweise gar nicht mehr so lohnt — weil teilweise die Dinge, die ich gerne koche, im Verhältnis fast genauso teuer sind, als wenn ich irgendwo essen gehe.
Ich lese sehr viel, gerade Nachrichten. Ich gehe unglaublich gerne auf Live-Konzerte — da muss ich mal gucken, das ist hier nicht so ausgeprägt wie in Deutschland. Da hatte ich einfach das Glück, in Hamburg sind dann dauernd Konzerte. Ich bin generell gerne draußen, ich höre sehr gerne Podcasts. Und ich glaube, was mich so insgesamt am glücklichsten macht, ist wirklich das Reisen. Also ich versuche echt, alle Ferien rauszukommen und irgendwo die große weite Welt zu sehen.
Reisen in Südafrika
[16:51] Schüler: Haben Sie auch Südafrika schon gut — also sind Sie schon durch Südafrika gereist, oder kommt das noch?
[16:58] Herr Teutenberger: Ich war mal vor — ich sage mal — zwölf Jahren schon mal in Südafrika für einen Monat. Da war ich bei einer Freundin zu Besuch, die war in Kapstadt. Da war ich zwei Wochen, und danach bin ich noch zwei Wochen durch die Gegend gereist — also dann bin ich noch die Garden Route entlang, war in Port Elizabeth, Durban, den Drakensbergen und auch schon mal ganz kurz in Johannesburg. Da erinnere ich mich eigentlich aber nur an so eine Soweto-Tour.
Aber ja, das war wie gesagt vor ein paar Jährchen. Und jetzt — ich bin ja erst seit Ende Juli hier. Hatte jetzt einmal Ferien und war da am Blyde River Canyon, und das hat mir sehr gut gefallen. Ein Tag war ich auch im Krüger, weil das Wetter so schlecht war am Blyde River Canyon. Aber ich habe auf jeden Fall vor, in den nächsten Jahren jede Ecke hier mir anzuschauen, und freue mich wirklich drauf.
Biologie & Politik: Warum diese Fächer?
[18:09] Schüler: Also, zurück zu dem, was du unterrichtest: Was spezifisch interessiert dich an z.B. Politik und Biologie?
[18:29] Herr Teutenberger: Also an Biologie — das fand ich schon damals in der Grundschule, Sachkunde, wie es so schön hieß, fand ich schon irgendwie toll. Vielleicht habe ich den Vorteil, dass ich eben vom Dorf komme und immer draußen war. Irgendwie Tiere fand ich immer toll — Pflanzen fand ich jetzt nicht so toll, aber man war die ganze Zeit von Pflanzen umgeben. Und irgendwann war es für mich einfach total interessant, als es um Zellen ging und „Wie funktioniert eigentlich so ein menschlicher Körper?“ Wie viele Leute wissen noch nicht mal, was die Niere macht? Oder so ganz einfach: Aus was bestehen Lebewesen? Weiß nicht, finde ich einfach faszinierend.
Und finde es inzwischen auch — ja, Ökosysteme, wie funktionieren die? Gerade heutzutage, die Probleme, die so auf der Welt existieren — vieles kann man mit Biologie in Kombination mit Politik dann auch sich selbst erklären.
Und Politik — so muss ich sagen, hatte ich gar kein Interesse eigentlich dran in der Schule. Aber so im Studium kam das dann langsam, und inzwischen finde ich es total cool, dass ich so viele Nachrichten auch lese und ich das Gefühl habe, ich verstehe einfach, was auf der Welt passiert. Dass man nicht so denkt: „Sag mal, warum sind denn jetzt eigentlich die Preise im Supermarkt so hoch?“ — dass ich einfach weiß, ja, ich weiß die Zusammenhänge.
TV-Kochshows: Topfgeldjäger, Küchenschlacht & Familienkochduell
[21:02] Schüler: Okay, jetzt weichen wir mal von der Schule ab — jetzt kommen wir mal zum Kochen! Also, ich glaube, viele an der Schule haben Sie auch schon gegoogelt und dann kommt immer ganz groß Kochshow. Und dass du auch mit deinem Bruder zusammen gekocht hast. Ja, wollen Sie dazu noch was sagen?
[21:20] Herr Teutenberger: Klar, ich schäme mich dafür nicht. Ganz im Gegenteil. Zum einen finde ich es fast schade, dass man die Videos dazu nicht mehr findet.
Also, als ich eben noch ein Kind war, bei uns gab es zwar immer warmes Essen, aber es gab relativ wenig so richtig Gekochtes. Es gab halt so Meine-Eltern-haben-beide-gearbeitet-Essen — so diese Maggi-Tüten, falls ihr die kennt, oder Tiefkühlpizza oder irgendwas im Backofen. Und meine erste frische Tomate habe ich mir glaube ich erst im Studium gekauft, irgendwie mit 20 oder so.
Aber irgendwie im Studium dachte ich auf einmal: Alle sind in die Mensa gegangen, und Mensa war irgendwie um 11:45 Uhr nach der Vorlesung. Und ich so: Sorry, ich habe gerade gefühlt gefrühstückt. Dann bin ich einfach in den Supermarkt gegangen, habe eingekauft und hab gekocht. Und am Anfang wusste ich gar nicht, was ich mache, aber ich war einfach immer mutig und habe mich einfach echt so rangetastet.
Und dann gab’s immer mittags gerade diese Kochsendungen im ZDF. Habe ich ganz häufig Kochshows geguckt und hatte irgendwie Freude dran. Und habe mich dann einfach immer so vorgestellt — gab’s eine Sendung, die hieß die Topfgeldjäger, die gibt’s gar nicht mehr. Und das fand ich irgendwie am besten — da hat man einfach so 12 Zutaten gekriegt, halbe Stunde vor der Sendung, und dann war die Aufgabe: Koch damit drei Gänge.
Und mein Bruder und ich haben uns das immer angeschaut und gedacht: Da müssen wir auch mal mitmachen! Haben uns beworben, und weil irgendwer abgesprungen war, kamen wir echt so zwei Wochen später dran. Und dann war das wirklich die letzte Sendung, die jemals gemacht wurde. Und dann waren wir da und haben — ich glaube, die letzte Sendung war ein Unentschieden. Hat total Spaß gemacht!
Und dann war ich so motiviert, irgendwie noch mal mitzumachen bei so einer Kochshow. Hab mich direkt bei der nächsten Kochsendung beworben — Küchenschlacht, die gibt’s immer noch. Die sagten: „Nee, sorry, wir können dich nicht schon wieder zeigen, du warst gerade erst im Fernsehen. Wir melden uns bei dir.“ Dann war es, weiß nicht, irgendwie ein Jahr später — dann konnte ich mitmachen. Das fand ich z.B. sehr stressig, weil da musste man vorher — da muss man nach Rezept kochen, ich koche nie nach Rezept, man musste denen vorher die Rezepte mitteilen. Und dann geht das über eine Woche und jeden Tag fliegt einer raus. Und da wurde ich sogar Dritter — war ich sehr zufrieden mit!
Und irgendwann vor zweieinhalb Jahren schrieb mir auf einmal diese Kochsendung: „Ja, wir haben dich und deinen Bruder noch in so einer Kartei. Wir haben so eine neue Kochsendung, wollt ihr da vielleicht mitmachen?“ Das hieß Familienkochduell. Und ja, dann habe ich mir noch meine Mama und die Freundin von meinem Bruder dazu geholt. Und dann haben wir da halt auch mitgemacht, das waren dann über vier Tage, und da haben wir auch die andere Familie ziemlich deutlich besiegt. Also von daher habe ich durchaus auch eine sehr erfolgreiche TV-Kochhistorie. Und auch das hat wirklich Spaß gemacht.
Was können Schüler erwarten?
[26:37] Schüler: Also, was können denn die Schüler an der DSJ von dir erwarten?
[26:48] Herr Teutenberger: Das ist eine gute Frage. Ich bin ja erst jetzt noch nicht mal drei Monate hier. Aber ich glaube — es ist auch bisher schon so — dass mein Unterrichtsstil ein bisschen anders ist als das, was man vielleicht gewohnt ist. Insofern, dass ich versuche, nicht einfach nur Stoff zu machen, weil man ihn machen muss, sondern ich versuche auch immer so ein bisschen: Warum machen wir das? Und hole auch vielleicht manchmal ein bisschen aus — man merkt das ja. Ich versuche aber immer, das vielleicht auch ein bisschen den Schülerinnen und Schülern schmackhaft zu machen, vielleicht über die ein oder andere Anekdote, über irgend so ein Nonsens-Wissen.
Und ja, manchmal einfach über so interessante Fakten — weiß nicht: „Habt ihr mitgekriegt, wer gerade den Nobelpreis bekommen hat?“ Und auf einmal: „Ach, guck mal, Nobelpreis — das machen wir gerade auch so in Genetik!“ Wo man auch sagen kann: Wird eh niemals im Abitur abgefragt, warum machen wir es? Aber ich finde schon, dass man das so einbetten muss, so Kontext schaffen muss.
Unterrichtsstil & Hamburg vs. DSJ
[30:24] Schüler: Und was für Klassen unterrichtest du gerade?
[30:31] Herr Teutenberger: Ich habe zwei achte Klassen, ich habe drei neunte Klassen in Erdkunde, ich habe die Zehn in Bio und die Elf in Bio. Also ja, so alles außer Grundschule fast.
[30:47] Schüler: Ist das mehr oder weniger dasselbe als du vorher unterrichtet hast, in anderen Schulen?
[30:53] Herr Teutenberger: Rein von der Unterrichtszeit ist es relativ gleich. Es ist sehr schwer, diese Schule mit meiner Schule in Hamburg zu vergleichen, weil hier das Niveau viel höher ist. Also was zum einen die Schülerinnen und Schüler leisten: Ihr seid deutlich motivierter. Hier geht es um Abitur und nicht darum, überhaupt einen Abschluss zu schaffen, wie es eher in Hamburg war. Das heißt, ich mache hier eigentlich das, was man „Lehrer sein“ eher ist. In Hamburg war ich viel in Anführungszeichen „Sozialarbeiter“ — es ging viel mehr um soziale Probleme, die ich auch klären musste.
Hier sitze ich jetzt wieder nachmittags da und korrigiere wirklich, weil da Klassenarbeiten liegen, wo was geschrieben wurde. In Hamburg — wenn einer nichts wusste, mir egal, zack, leeres Blatt abgegeben, habe ich schnell korrigiert. Dafür hatte ich wahrscheinlich zehn E-Mails jeden Tag: Der und der hat sich daneben benommen, Vorfall XY, Feuermelder — irgendwas. Da gab’s ganz andere Arbeit.
Und deshalb ist es hier jetzt wieder — ich groove mich gerade wieder ein, wie man so schön sagt. Einfach sich hinsetzen, Unterricht muss hier viel besser vorbereitet werden, dass ich auf einmal wieder merke: Oh, die sind ja schon fertig mit dem Arbeitsauftrag! Das ist mir in Hamburg nie passiert. Da hatte ich eine Stunde gut vorbereitet, das hat für eine Woche gereicht. Hier sind alle da, es sind alle pünktlich, alle haben ihre Sachen.
Marathonlaufen & andere Sportarten
[32:46] Schüler: Also wieder weg von der Schule — du hast auch gesagt, dass du Marathons rennst. Willst du auch ein bisschen mehr davon erzählen?
[32:58] Herr Teutenberger: Also, dass ich mal laufen würde, hätte ich auch nie gedacht. Ich war ein sehr unsportlicher Mensch — glaubt man mir jetzt gar nicht mehr, aber so auf diesen Bildern, als ich so in eurem Alter war, ich war schon ein sehr moppeliger Mensch, wie man so schön sagt. Und habe dann wirklich erst mit 17 oder 18 angefangen. Mein Papa war viel am Laufen, und der hat mich dann einfach — ich habe seine Schuhe angezogen, und dann war ich irgendwie so fünf Runden auf dem Sportplatz. Danach sah ich halt echt aus wie so eine Tomate — also roter Kopf und am Atmen wie so eine Dampflok. Und bin aber irgendwie drangeblieben.
Und bin dann 2012, da war ich dann 24, da bin ich dann mit meinem Vater und meinem Bruder zusammen den ersten Marathon in Berlin gelaufen. Und ja, war dann echt von mir selbst überrascht, wie gut es doch ging. Und bin dann zwei Jahre später in Hamburg gelaufen, da bin ich dann sogar unter drei Stunden gelaufen — 2:58. Und da war ich wirklich — dachte ich: Wow, das hätte ich niemals gedacht!
Nächstes Jahr vielleicht auch dann den Kapstadt-Marathon. Aber ich bin jetzt glaube ich fünf oder sechs Mal gelaufen. So viel Spaß macht dann Marathon auch nicht gerade. Aber hier gibt’s ja viele wunderschöne Strecken. Gibt auch den Soweto-Marathon. Aber erstmal ankommen, ich muss mich noch so ein bisschen an die Höhe hier gewöhnen. Und meine Laufgruppe meinte auch direkt: Das erste — ja, Comrades musst du machen, die 90 km! Und den Two Oceans! Ich habe ein bisschen Zeit. Und ich glaube, in der Zeit, die ich hier bin, werde ich auch noch den ein oder anderen Langenlauf machen.
[35:07] Schüler: Gibt es irgendwelche anderen Sportarten, die Sie auch gerne mögen?
[35:13] Herr Teutenberger: Ich habe immer Tennis gespielt, hätte ich im Studium auch wieder sehr viel gespielt. Ich würde auch hier echt gerne wieder anfangen, Tennis zu spielen. Wobei hier Padel ja riesengroß ist — das habe ich noch nicht gemacht, das will ich auf jeden Fall mal austesten. Ich habe als Jugendlicher Taekwondo gemacht — sogar bis zum braun-schwarzen Gürtel, aber das war auch mehr schlecht als recht. Und habe viel einfach ausprobiert — also mich kann man glaube ich überall reinstecken, ich werde auf jeden Fall alles testen. Das Einzige, wo ich wirklich sage, da habe ich gar kein Talent für: Wahrscheinlich bin ich auch der Einzige, der nie im Fußballverein war. Im Fußball bin ich echt grottig schlecht drin. Aber sonst — Kajakfahren habe ich gemacht, Rugby mal gemacht, Brazilian Jiu-Jitsu im Studium — konnte viel testen. Aber das Einzige, weil es vielleicht auch so einfach ist — Schuhe an, laufen — war halt echt das Laufen. Kannst überall machen.
Eindruck von der DSJ
[36:40] Schüler: Jetzt, obwohl Sie jetzt so kurz an der Schule bisher waren: Was halten Sie denn von der DSJ bis jetzt?
[36:53] Herr Teutenberger: Das wisst ihr ja. Wie ich das eben schon gesagt habe — wenn man den Namen Johannesburg hört, ist bei vielen in Deutschland erstmal so: „Oh mein Gott, ne, was willst denn da?“
Und bisher — also echt — sowohl die Stadt als auch die Menschen, aber auch gerade die Schule, ist ein absoluter Glücksfall. Also ich habe mich wirklich noch nie so schnell so gut irgendwo eingelebt. Ich hatte es noch nie so einfach, Anschluss zu finden. Die Menschen alle sind super hilfreich.
Diese Schule hier ist echt ohne — also ich will jetzt hier keine Gehaltserhöhung, keine Beförderung, und ich will mir jetzt auch nicht irgendwo einschleimen. Ich habe einige Schulen erlebt, aber diese Schule ist schon — sowohl was Schülerinnen und Schüler angeht als auch meine ganzen Kolleginnen und Kollegen — alle sind immer eigentlich gut gelaunt.
Ich finde es unglaublich, wie diese Schule eine Schulkultur hat. Das heißt, wie viele Menschen sich auch wirklich mit dieser Schule identifizieren, stolz darauf sind, an dieser Schule zu sein. Diese ganzen Events — in Deutschland, wenn man sowas hat wie eine Modeshow, Kunstausstellung — da rollen alle mit den Augen: „Oh nee, da muss ich auch noch heute Abend hin.“ Und hier so: „Modeshow — wollen wir da hin?“ Und man ist hier und ist wirklich jedes Mal echt wieder positiv überrascht, wie gut das alles ist, also von welcher Qualität das ist. Und man fühlt sich, man geht gerne hin und man identifiziert sich mit der Schule.
Kennt ihr diesen Begriff — ihr kennt es ja auch — diese „DSJ Magic“? Man kriegt immer super schnell Hilfe, man wird nie allein gelassen. Und das ist echt ziemlich beeindruckend. Und wie gesagt: absoluter Glücksfall, hier zu sein.
Abschluss & Verabschiedung
[39:27] Schüler: Hast du noch irgendwelche weiteren Sachen oder ein Abschlusswort, das du sagen möchtest?
[39:40] Herr Teutenberger: Erzählen kann ich mal ganz viel. Ich hatte euch das schon gesagt — mal gucken, nicht dass ich jetzt irgendwas sage und dann halte ich es nicht ein. Allein, dass ihr so ein professionelles Podcast-Team habt, so einen professionellen Podcast-Aufnahmeraum — also sorry, das ist nicht normal! Das ist ganz und gar nicht normal. Und ja, je nachdem was so mein Stundenplan im nächsten Jahr sagt und was ich sonst noch so für Aufgaben habe — ich hätte wirklich Lust, auch Teil der Podcast-AG zu werden. Ich selber höre gerne Podcasts und finde das toll. Und dann starte ich hier vielleicht noch mal einen eigenen Podcast — oder habe ich genug Zeit zum Reden.
[40:17] Schüler: Ja, super! Vielen Dank, dass Sie heute da waren und uns Ihre Zeit gegeben haben. Vielen Dank fürs Zuhören! Noch nicht Zuschauen — das kommt vielleicht noch.
[40:42] Herr Teutenberger: Ich bin da immer ein bisschen skeptisch. Ganz viele Podcasts neigen jetzt dazu, das auch immer noch als Video aufzunehmen. Also nicht, dass wir es nicht wert wären, dass man uns auch optisch sehen könnte — aber manchmal denke ich mir auch so: Ich höre es ja, das ist ja das Schöne, dass ich dabei spazieren gehen kann und mir das anhöre.
[41:07] Schüler: Auch von mir und Erik: Vielen Dank! Es war mal schön, von dem Lehrer etwas Persönliches zu hören, auch mal etwas, was nicht Teil vom Unterricht ist. Auch mal zu hören, wie das Leben vorher war. Und ja, vielen Dank!